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Start Salmonidengruppe Chronik der Este

Chronik der Este

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Vor ca. 75 Jahren konnte die Este als Pachtgewässer vom Anglerverein Frühauf übernommen werden. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde der Fluss von der Quelle bis zur Badeanstalt Altkloster (Buxtehude) von Frühaufmitgliedern beangelt. Seinerzeit war die Este nicht als Salmonidengewässer ausgewiesen. Alle bekannten Angelarten waren erlaubt. Bedingt durch schlechte Verkehrsverhältnisse, wer hatte schon ein Auto, war der Befischungsdruck an der Este nicht sehr groß. Wenn man den Erzählungen der "Alten" Glauben schenkt, sollen Bach- und Regenbogenforellen vereinzelt bis zu 3 Pfund gefangen worden sein. Allerdings war der Bestand an Salmoniden in der Este gering. Zuchthilfen, so wie wir sie heute kennen, waren damals noch nicht in den Vereinen verbreitet.

Während des Krieges waren keine allzu großen Angelaktivitäten an der Este festzustellen. Nach dem Krieg wurde die Este von den Besatzungsmächten, hier vor allem den Engländern, beangelt. Anfang der fünfziger Jahre konnte die Este wieder vom Frühauf gepachtet werden. In dieser Zeit dürften auch die Sportsfreunde aus Harburg-Wilhelmsburg zur Este gestoßen sein. Sie durften die Este von der Goldbek linksseitig abwärts bis zur Badeanstalt Altkloster beangeln.

In den Jahren 1979 - 1980 trat auch in dem Bundesland Niedersachsen ein neues Fischereigesetz in Kraft. Aus dem Gesetzestext geht hervor, dass bei Verpachtungen von fiskalischen Gewässern vorrangig ortsansässige Vereine bzw. Fischereiverbände aus Niedersachsen berücksichtigt werden sollten. Da nun die hamburgischen Vereine befürchteten, ihre fiskalischen Gewässer in Niedersachsen zu verlieren, wurden Wege gefunden, den Hamburgern das Angeln in Niedersachsen zu ermöglichen. Es war die Geburtstunde der Pachtinteressengemeinschaft Nord-Niedersachsen. Gründungsmitglieder waren seinerzeit vorwiegend Frühaufangelkameraden. Diesem Zusammenschluss konnten sich andere Vereine mit ihren Mitgliedern anschließen. Eines der vorrangigsten Ziele dieses Zusammenschlusses ist, dass bei neuen Pachtabschlüssen die dem Club angehörenden Vereine ihre alten Gewässerpachtstrecken zur Beangelung behalten können.

Bei der Verpachtung der Este 1980 wurden von folgenden Vereinen ein Gebote abgegeben. Für die Strecke von Welle bis zur Badeanstalt Altkloster; Nord Niedersachsen. In dieser Gruppierung fanden sich die Vereine Salmonidenfreunde, Frühauf Hamburg und Harburg - Wilhelmsburg wieder. Für die Strecke Moisburg bis zur Brücke im Dorf Heimbruch wurde ein Gebot von dem Angelverein Hollenstedt abgegeben. Für die Strecke Dorfbrücke Heimbruch bis zur Badeanstalt Altkloster wurde vom Angelverein Buxtehude Scheeben - Wind ein Gebot abgeben. Die beiden Vereine, die zuletzt genannt wurden, hatten sich noch nicht dem Verein Nord-Niedersachsen angeschlossen. Sie konnten ihre Gebote für die angegebenen Strecken abgeben, da von der neu ins Leben gerufenen Fischereigenossenschaft die Este in andere Gewässerpachtstrecken eingeteilt und ausgeschrieben wurden, wie die bislang von den Vereinen befischten Stecken.

Als nun die Stunde der Wahrheit schlug und die Vereine erfuhren, für welchen Gewässerteil der Este sie den Zuschlag erhalten hatten, war doch bei allen die Überraschung sehr groß. Nord - Niedersachsen erhielt den Zuschlag für die Strecke Welle bis zum Wehr in Moisburg, Hollenstedt die Gewässerstrecke Moisburg bis zur Dorfbrücke Heimbruch und Buxtehude die Strecke Heimbruch bis zur Badeanstalt Altkloster. Da eine Vereinbarung in Nord-Niedersachsen besteht, dass angeschlossene Vereine bei Wiederpachtungen von Pachtgewässern ihre angestammten Angelrechte in ihren Gewässerabschnitten wieder erhalten sollen, ging bei der Neuverteilung der Este der Verein Harburg-Wilhelmsburg leer aus. Ich erinnere daran, Hollenstedt und Buxtehude waren zur damaligen Zeit noch keine Mitglieder in NNS, erhielten aber den Zuschlag für die untere Este.

Durch interne Verhandlungen mit den Vereinen Buxtehude und Hollenstedt wurde erreicht, dass auch die Harburg-Wilhelmsburger an der unteren Este wieder mitangeln konnten. Nun konnte die Este in folgende Gewässerstrecken zur Beangelung an die Vereine vergeben werden. Der Verein Salmonidenfreunde kann die Este von Welle bis zur Einmündung des Perlbach beangeln. Vom Steinwehr ab bis zur Dorfbrücke in Heimbruch konnten die Vereine Hollenstedt und Frühauf Hamburg die Este beangeln. Von Moisburg aus wurde die Este bis zur Dorfbrücke in Heimbruch von dem Verein Harburg-Wilhelmsburg mit beangelt und von Heimbruch bis zur Badeanstalt Alt-Kloster erhielt der Verein Buxtehude Scheeben-Wind sein Angelrecht. Durch eine gesonderte Vereinbarung konnten die Vereine Hollenstedt, Harburg-Wilhelmsburg und der Frühauf Hamburg die Strecke vom Scheeben-Wind mitbeangeln. Als Gegenleistung wurde vom Scheeben-Wind keine Besatzmaßnahme in der Este durchgeführt.

Ich möchte nun etwas zur Este selbst sagen. Die Este ist ein typischer Heidenebenfluß der Elbe. In früheren Jahrhunderten soll das Estetal ein großes Sumpfgebiet gewesen sein. Nach und nach wurde dieses Gebiet durch Flussbegradigungen trocken gelegt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts ging man der Este so richtig zu Leibe. Es wurden fast alle Kehren und Schleifen des Flusslaufes entfernt. Das Endergebnis war ein schnellfließender Heidefluss. Nach den damaligen Erkenntnissen kam die Este nun ihrer Aufgabe, anfallende Wassermassen schnellstens aus der Heidelandschaft zu entfernen, voll nach. Nur einen kleinen Schönheitsfehler hatte diese Geschichte. Durch die Begradigungen des Bachbettes hat sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers dermaßen erhöht, dass sich mittlerweile ein gutes Stück des Lüneburgerheidesandes im Unterlauf der Este und Elbe wiederfindet. Umfangreiche Baggerarbeiten sind erforderlich den Sand aus dem Unterlauf der Este und der Elbe zu entfernen. Heute werden zwar zaghafte Versuche gemacht, die Fließgeschwindigkeit der Este zu drosseln, solange aber die Unterhaltungsverbände der Gewässer vom Gesetz her immer noch angehalten werden, vorrangig dafür zu Sorgen, dass das Wasser aus den Bäche schnell abfließt, werden wir wohl noch lange mit der Sandfracht der Este leben müssen. Ich selber habe noch miterlebt, dass der Esteunterhaltungsverband seine Aufgaben dermaßen ernst nahm, dass selbst durch Einbringen von Chemikalien der Pflanzenwuchs in der Este unterbunden wurde. Diese Maßnahmen hatten fatale Folgen. Die Este war zu einem schnellfließenden Sandtransportkanal verkommen. Von Kleinstlebewesen im Bachbett war so gut wie keine Spur zu finden. Die Lebensgrundlage der Salmoniden war stark eingeschränkt. Gottseidank gehören diese Zeiten der Vergangenheit an. Dank der Einsicht des heutigen Unterhaltungsverbandes haben wir wieder Krautbänke in der Este, in diesen können sich hervorragend Wasserinsekten entwickeln. Selbst die ausgestorbenen Maifliegen bevölkern wieder das Estetal. Die Rückkehr von Wasserinsekten ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass durch ein sensibleres Umweltbewußtsein die im Estetal ansässigen Gemeinden angefangen haben, leistungsfähige Kläranlagen zu erstellen.

Die Veränderung unseres Freizeitverhaltens bekam auch die Este im Laufe der Jahre zu spüren. Die Besuche der Salmonidenfischer an der Este nahmen zu. Die Folge war, der Fischbestand nahm ab. Gleichzeitig machte sich die Begradigung des Bachbettes und eine zunehmende Wasserbelastung durch Abwässer negativ bemerkbar. Durch die Begradigung des Bachbettes wurden die für die Salmonidenvermehrung lebensnotwendigen Kiesbetten vernichtet. Die zunehmende Wasserverschmutzung sorgte dafür, dass bald an ein Naturaufkommen von Salmoniden in der Este nicht mehr zu denken war. Um den Salmonidenbestand zu sichern, mussten Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden. Es wurden Forellenbrütlinge und Setzlinge bei dem Fachhandel gekauft. Bald zeigte sich aber, dass dieses nicht der richtige Weg war. Die eingekauften Fisch waren nicht Standorttreu. Sie gingen auf Wanderschaft und wurden nicht mehr gesehen. Der Bach war weiterhin ohne Fische. In den fünfziger Jahren reifte bei unseren Vorgängern im Verein der Gedanke, dass nur bodenständige Fische den Fortbestand der Salmoniden in der Este garantieren können. Da in dieser Zeit auch die Elektrofischerei enorme Fortschritte machte, war es möglich, auf Zuchtfische aus der Este zurück zu greifen. Dieses war der Schlüssel zum Erfolg. Heute profitieren wir noch von den Erkenntnissen, die damals erworben wurden. Verdient gemacht haben sich seinerzeit um die Verwirklichung der Salmonidenaufzucht an der Este die Angelkameraden Herbert Castan, Bernhard Müller, Otto Heuchmer und Kurt Meyer-Rochow. Wir schulden ihnen heute noch Dank für ihren Einsatz. Gleichzeitig mit den Anfängen der Bachforellenaufzucht fiel die Meerforellenzucht. Vereinzelt waren auch nach dem Kriege immer noch einige Meerforellen in der Este anzutreffen. Durch die E.-Fischerei konnte nun auch hier an Zuchtfische herangekommen werden. Auch die Meerforelle wurde erfolgreich vermehrt. Es kann behauptet werden, dass von vielen Norddeutschen Meerforellen die Elterntiere einst aus der Este gekommen sind. In der Vergangenheit wurden in vielen Flüssen des norddeutschen Raumes Meerforellen der Este erfolgreich eingebürgert.

Jahrelange Versuche unserer Vorgänger, auch Äschen zu vermehren, schlugen immer wieder fehl. Dieses gelingt uns erst seit 1988 erfolgreich. Wenn wir einmal betrachten, wie in der Vergangenheit die Salmonidenaufzucht betrieben wurde, versetzt uns dieses immer wieder in Erstaunen. Mit zwei einfachen Holzkisten, die an einem sauberen Nebenbach der Este aufgestellt waren, wurde die Erbrütung der Salmoniden durchgeführt. Da alles so preiswert wie möglich geschehen sollte, standen die Kameraden bei Wind und Wetter, Schneefall und eisiger Kälte unter freiem Himmel und verrichteten ihre Arbeit. Auch ich habe dieses sechsundzwanzig Jahre mitgemacht. Nun im Frühjahr 1993 fängt für die Salmonidenzüchter eine neue Zeit an, davon aber später. Unser Tun und Treiben blieb natürlich der Bevölkerung nicht verborgen. Oft genug geschah es, wenn wir einen geeigneten Platz für unsere Holzkisten gefunden hatten, dass dann von Umweltschützern und sonstigen netten Leuten uns der Platz streitig gemacht wurde und wir weiter ziehen mussten.

Von manchen seinerzeit verflucht, stellte sich im Nachhehrein der Zusammenschluss der Vereine in den Interessenverband Nord-Niedersachsen als Segen heraus. Die Hollenstedter Angelkameraden hatten in ihrer Pachtung unsere heutigen Wohlesbosteler Teiche. Diese wurden als Karpfenangelteiche genutzt. Da die Teiche sehr kaltes Wasser haben, wuchsen die Karpfen nicht ab. Dieses kam mir zu Ohren. Für mich war sofort klar, hier sind die idealen Salmonidenaufzuchtteiche. Mit den Hollenstedter wurden wir schnell einig und die Salmonidengruppe konnte die Teiche übernehmen und nutzen. Die Teiche waren sehr vergreist, das heißt, eine bis zu 80 cm dicke Schlammschicht bedeckte den Teichboden, die Teiche waren unfruchtbar. In den ersten Jahren konnten nur ca. 1000 Forellensetzlinge erwirtschaftet werden. 1980 konnte der Vorstand des "Frühauf´s" davon überzeugt werden, dass es erforderlich war, die Teiche von dem Schlamm zu befreien. Im darauf folgenden Jahr, die Teiche waren nun jungfräulich und fruchtbar, wurden 10.000 Forellensetzlinge erzeugt. Mittlerweile werden jährlich durchschnittlich 7-8000 Salmonidensetzlinge erwirtschaftet.

Zwischenzeitlich konnten wir vom "Frühauf" das Salmonidenaufzuchtgelände kaufen. Dem Verein wurde durch diesen Kauf eine Zuchtanlage mit hervorragender Wasserqualität gesichert. Auf Dauer ist der Besatz für die Este mit Salmoniden gesichert.

Außerdem wurde im Winter 1992/93 von allen an der Salmonidenaufzucht beteiligten Angelkameraden aus den angeschlossenen Vereinen in gemeinsamer Arbeit auf Kosten des "Frühauf" ein Bruthaus gebaut. Nach verrichteter Arbeit sind wir alle stolz auf das erbaute Bruthaus.

So mancher der diese Zeilen liest, wird sich fragen, was treiben die Salmonidenfritzen eigentlich für einen Aufwand an der Este. Für unsere Nachfolger, hier noch einmal der Grund.

In einem Salmonidengewässer kann nur erfolgreich der bodenständige Fisch vermehrt werden. Dieses gilt für alle in der Este vorkommenden Salmoniden. Die Erfahrung, die in der Vergangenheit von uns gesammelt wurde zeigt, dass in der Este mit den dort herrschenden Verhältnissen am besten die Tieflandbachforelle zurecht kommt. Bei den Meerforellen sieht es nicht anders aus. Unser in der Este lebende Äschenstamm hat sich aus Äschenstämmen aus Bayern ,Österreich, Norwegen und Schweden entwickelt. Diese Mixtur kommt nun in der Este sehr gut zurecht. Versuche, die seit fünf Jahren von uns in der Este mit Lachsen gemacht wurden, zeigen noch keine Erfolge. Hier müssen wir noch abwarten und weitere Versuche durchführen.

Ich hoffe, dass diese Zeilen dazu beitragen, künftige und auch heutige Angelkameraden das Geschehen an der Este näher zu bringen.

Volkhard Werner

 
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